Selbstmedikation, und der bessere Weg.

Das Suchtrisiko bei ADHS ist erhöht, oft als Versuch der Selbsthilfe. Was dahintersteckt und warum Behandlung eher schützt als gefährdet.

Stand Juni 2026 · geprüfte Quellen unten
Kurz vorab: Dieser Text informiert auf Basis öffentlicher Fachquellen und ist kein Selbsttest und keine Behandlungsempfehlung. Ob ADHS vorliegt und was im Einzelfall hilft, klären nur Fachärztinnen, Fachärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Vermutest du ADHS? myway begleitet dich organisatorisch zur Abklärung.

Ein real erhöhtes Risiko

Erwachsene mit ADHS haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens eine Suchterkrankung zu entwickeln. Begleiterkrankungen sind im Erwachsenenalter ohnehin die Regel, etwa 80 Prozent der Betroffenen haben zusätzliche psychische Erkrankungen, darunter neben Depression und Angst auch Suchterkrankungen. Der problematische Konsum beginnt bei ADHS tendenziell früher, ist oft ausgeprägter und lässt sich schlechter kontrollieren.

Selbstmedikation: ein nachvollziehbares Muster

Ein Teil des Substanzkonsums lässt sich als gescheiterte Selbstmedikation verstehen. Betroffene versuchen, mit Suchtmitteln innere Unruhe, Anspannung oder Konzentrationsprobleme kurzfristig zu lindern, genannt werden vor allem Nikotin, Alkohol und Cannabis. Dahinter steht eine neurobiologische Erklärung: Bei ADHS stehen im Gehirn die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin verändert zur Verfügung. Manche Substanzen erzeugen kurzfristig den Eindruck einer Linderung, was die Suchtentwicklung begünstigt.

Macht die Behandlung abhängig? Nein, im Gegenteil

Eine verbreitete Sorge: Machen ADHS-Medikamente abhängig? Eine bestimmungsgemäße, ärztlich begleitete medikamentöse Behandlung macht laut Studienlage nicht abhängig. Mehrere Studien deuten sogar auf einen schützenden Effekt hin, weil typisches Risikoverhalten und Impulsivität reguliert werden. Registerstudien, die dieselbe Person mit und ohne Medikation vergleichen, fanden in Phasen mit Medikation ein deutlich verringertes Risiko für eine Substanzkonsumstörung.

Das heißt nicht, dass Medikamente für alle das Richtige sind. Es heißt: Die Angst vor Abhängigkeit ist kein guter Grund, eine Behandlung pauschal abzulehnen. Solche Sorgen gehören offen ins ärztliche Gespräch.

Was hilft

Wenn Substanzkonsum oder Suchtdruck eine Rolle spielen, lohnt eine fachärztliche ADHS-Abklärung, denn ein erheblicher Teil von Menschen mit Suchtproblemen hat eine unerkannte ADHS. Liegt beides vor, wird nach Leitlinienprinzip eine akute Suchtproblematik zuerst stabilisiert, die ADHS kann parallel mitbehandelt werden, idealerweise mit Anbindung an die Suchtmedizin. Suchtberatungsstellen sind kostenlos und vertraulich.

Wenn es dir akut schlecht geht: Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall die 112. Mehr unter Hilfe im Notfall.

Weiterlesen

ADHS und Begleiterkrankungen →Hilfe im Notfall →Der Weg zur Diagnose (myway) →

Quellen

Alle Aussagen oben stützen sich auf diese öffentlich zugänglichen Fachquellen, zuletzt geprüft im Juni 2026:

Hinweis: Der fachliche Rahmen orientiert sich an der deutschen S3-Leitlinie ADHS (AWMF 028-045) sowie der NICE-Leitlinie NG87. Einzelne Detailbelege stammen aus den oben verlinkten Quellen.