Ein real erhöhtes Risiko
Erwachsene mit ADHS haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens eine Suchterkrankung zu entwickeln. Begleiterkrankungen sind im Erwachsenenalter ohnehin die Regel, etwa 80 Prozent der Betroffenen haben zusätzliche psychische Erkrankungen, darunter neben Depression und Angst auch Suchterkrankungen. Der problematische Konsum beginnt bei ADHS tendenziell früher, ist oft ausgeprägter und lässt sich schlechter kontrollieren.
Selbstmedikation: ein nachvollziehbares Muster
Ein Teil des Substanzkonsums lässt sich als gescheiterte Selbstmedikation verstehen. Betroffene versuchen, mit Suchtmitteln innere Unruhe, Anspannung oder Konzentrationsprobleme kurzfristig zu lindern, genannt werden vor allem Nikotin, Alkohol und Cannabis. Dahinter steht eine neurobiologische Erklärung: Bei ADHS stehen im Gehirn die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin verändert zur Verfügung. Manche Substanzen erzeugen kurzfristig den Eindruck einer Linderung, was die Suchtentwicklung begünstigt.
Macht die Behandlung abhängig? Nein, im Gegenteil
Eine verbreitete Sorge: Machen ADHS-Medikamente abhängig? Eine bestimmungsgemäße, ärztlich begleitete medikamentöse Behandlung macht laut Studienlage nicht abhängig. Mehrere Studien deuten sogar auf einen schützenden Effekt hin, weil typisches Risikoverhalten und Impulsivität reguliert werden. Registerstudien, die dieselbe Person mit und ohne Medikation vergleichen, fanden in Phasen mit Medikation ein deutlich verringertes Risiko für eine Substanzkonsumstörung.
Das heißt nicht, dass Medikamente für alle das Richtige sind. Es heißt: Die Angst vor Abhängigkeit ist kein guter Grund, eine Behandlung pauschal abzulehnen. Solche Sorgen gehören offen ins ärztliche Gespräch.
Was hilft
Wenn Substanzkonsum oder Suchtdruck eine Rolle spielen, lohnt eine fachärztliche ADHS-Abklärung, denn ein erheblicher Teil von Menschen mit Suchtproblemen hat eine unerkannte ADHS. Liegt beides vor, wird nach Leitlinienprinzip eine akute Suchtproblematik zuerst stabilisiert, die ADHS kann parallel mitbehandelt werden, idealerweise mit Anbindung an die Suchtmedizin. Suchtberatungsstellen sind kostenlos und vertraulich.
Weiterlesen
ADHS und Begleiterkrankungen →Hilfe im Notfall →Der Weg zur Diagnose (myway) →
Quellen
Alle Aussagen oben stützen sich auf diese öffentlich zugänglichen Fachquellen, zuletzt geprüft im Juni 2026:
- Neurologen und Psychiater im Netz, ADHS besteht im Erwachsenenalter häufig unerkannt fort
- ADHS Deutschland, Begleiterkrankungen bei ADHS
- Registerstudie zum Medikations-Schutzeffekt (PMC)
- Apotheken Umschau, ADHS-Medikamente: Wirkung, Nutzen, Nebenwirkungen
Hinweis: Der fachliche Rahmen orientiert sich an der deutschen S3-Leitlinie ADHS (AWMF 028-045) sowie der NICE-Leitlinie NG87. Einzelne Detailbelege stammen aus den oben verlinkten Quellen.