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ADHS? Ich doch nicht…oder doch?
Lange war ADHS für mich etwas, das andere haben. Ich hatte engen Kontakt zu Betroffenen, mit einigen bin ich befreundet. Dass ich selbst dazugehöre, habe ich über Jahre nicht gesehen.
In der Schule lief es, jedenfalls in der Oberstufe. Mein Abitur reichte für ein Medizinstudium. Parallel zum Abitur erkrankte mein Vater an Krebs, in meinem ersten Semester ist er gestorben. Meine Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation und Aufschieben, dazu eine ständige Suche nach Reiz und Tempo, habe ich diesem Verlust zugeschrieben. Das war die naheliegende Erklärung. Über fünf Semester änderte sich nichts.
Später habe ich trotzdem abgeschlossen, einen Bachelor und Master in BWL, vor allem, weil ein Mensch mich über Jahre bedingungslos getragen hat. Danach ein Trainee-Programm bei einem großen Versicherer. Für mich war die Sache damit erledigt: Wer das schafft, kann kein ADHS haben. 2018 sagte mir eine gute Freundin, sie ist Psychologin, sie sei überzeugt, dass ich ADHS habe. Ich habe es weggewischt. Es passte nicht zu dem, was ich vorzuweisen hatte.
Es dauerte sieben weitere Jahre. Mehrere angefangene Projekte, ein Jobwechsel, eine Beziehung, die nach der Geburt unseres Sohnes zerbrach. Wir haben uns nicht mehr verstanden. Irgendwann wurde bei mir eine schwere Depression diagnostiziert und behandelt. Die Therapie hat an meinem Befinden nichts spürbar verändert. Das war der Punkt, an dem ich angefangen habe, mich ernsthaft mit ADHS zu beschäftigen. Erst ein Hörbuch, dann zwei, dann alle zum Thema.
Der Tiefpunkt dazwischen war konkret: völlige Orientierungslosigkeit, arbeitslos, vor mir ein Berg eigener unfertiger Projekte, unorganisiert, ohne Struktur und ohne roten Faden.
Die erste Therapie gegen die Depression hatte ADHS nie thematisiert. Danach hatte ich Glück, und ich war privilegiert: Ich konnte die Diagnostik selbst zahlen. Als Selbstzahler kam ich schnell an eine Therapeutin, die zu mir passt, die mich begleitet, die Diagnose gestellt und mich für die Medikation an eine Praxis verwiesen hat. Dass das so schnell ging, ist nicht der Normalfall. Wer auf einen Kassenplatz wartet, hat dieses Glück nicht.
Die Medikamente geben mir Halt. Sie machen mich ruhiger und organisierter und gleichzeitig wacher, um Dinge anzufangen und abzuschließen. Impulsivität ist für mich fehlgeleitete Kreativität, und die Medikation ist die Leitplanke, die mir lange gefehlt hat.
Der Grund, das alles wirklich anzugehen, war mein Sohn. Nach den härtesten Monaten habe ich entschieden, wieder auf die Beine zu kommen, nicht in erster Linie für mich, sondern für ihn. Aus der Auseinandersetzung mit der Diagnose und mit mir selbst ist der Entschluss gewachsen, anderen etwas davon weiterzugeben. adhsupport und myway sind das, was ich selbst gebraucht hätte, als mir niemand den Weg organisiert hat.
Sinn genug hat mein Leben durch ihn.
Ehrlichkeitshalber: Ich bin kein Arzt und keine medizinische Instanz. Ich bin jemand, der den Weg selbst geht und das Drumherum so einfach machen will, wie es geht.
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Quellen und Stand
Die Inhalte stützen sich auf öffentlich zugängliche Fachquellen, unter anderem die AWMF-S3-Leitlinie ADHS, adhs.info (zentrales adhs-netz), gesundheitsinformation.de und ADHS Deutschland e. V. Die Lexikon-Begriffe sind im Lexikon einzeln mit Quelle verlinkt. Stand der Prüfung: Juni 2026.
adhsupport.de informiert über ADHS und bietet Werkzeuge zur Selbstorganisation. Es ist kein Ersatz für Diagnose, Beratung oder Behandlung. Eine Diagnose kann nur eine fachliche Diagnostik stellen, eine Therapie gehört in professionelle Hände. In einer akuten Krise findest du unter Hilfe im Notfall sofort erreichbare Anlaufstellen.
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