Über kaum ein Thema kursieren so viele Halbwahrheiten wie über ADHS. Sieben verbreitete Mythen, und was die Fachquellen wirklich sagen.
„ADHS ist eine Erfindung der Leistungsgesellschaft"
Das ist fachlich nicht haltbar. ADHS ist ein anerkanntes, eigenständiges Störungsbild mit neurobiologischen Grundlagen und in den internationalen Diagnosesystemen verankert.
„ADHS ist neu, eine Modeerscheinung"
ADHS-typisches Verhalten wurde schon 1844 beschrieben, in den Geschichten vom Zappelphilipp und Hans-guck-in-die-Luft von Heinrich Hoffmann. Neu ist nicht das Phänomen, sondern dass es heute besser erkannt wird.
„ADHS betrifft nur Kinder"
ADHS kann ins Erwachsenenalter fortbestehen. Etwa 15 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen erfüllen auch als Erwachsene noch das Vollbild aller Kriterien, bei deutlich mehr bleiben wesentliche Symptome bestehen. Bei Erwachsenen tritt sichtbare Hyperaktivität oft zurück, in den Vordergrund rücken Unaufmerksamkeit und innere Unruhe.
„Das hat doch jeder mal"
Gelegentliche Unkonzentriertheit oder Vergesslichkeit ist keine ADHS. Für eine Diagnose müssen Auffälligkeiten ausgeprägt sein, über lange Zeit bestehen und den Alltag in mehreren Lebensbereichen deutlich beeinträchtigen.
„Zucker oder schlechte Ernährung verursacht ADHS"
Kein einzelnes Nahrungsmittel löst ADHS aus. Ernährung kann das Befinden beeinflussen, ist aber keine Ursache der Störung.
„ADHS kommt von schlechter Erziehung"
ADHS ist in hohem Maß erblich. Zwillingsstudien schätzen die Erblichkeit als sehr hoch ein. Erziehung verursacht keine ADHS, auch wenn das Umfeld den Umgang damit beeinflusst.
„Bei Mädchen und Frauen gibt es das kaum"
ADHS gilt bei Frauen als unterdiagnostiziert. Es zeigt sich bei ihnen häufig unauffälliger und wird leichter übersehen oder mit anderen Erkrankungen verwechselt.
Weiterlesen
Spätdiagnose ADHS →ADHS bei Frauen →ADHS-Lexikon →
Quellen
Alle Aussagen oben stützen sich auf diese öffentlich zugänglichen Fachquellen, zuletzt geprüft im Juni 2026:
- Deutsches Ärzteblatt, ADHS: Mythen und Fakten
- Uniklinikum Dresden, Mythen über ADHS
- ADHS Deutschland, Häufigkeit
- gesundheitsinformation.de, ADHS bei Erwachsenen
- ADxS.org, Ernährung und Diät bei ADHS
- NICE-Leitlinie NG87, Empfehlungen
Hinweis: Der fachliche Rahmen orientiert sich an der deutschen S3-Leitlinie ADHS (AWMF 028-045) sowie der NICE-Leitlinie NG87. Einzelne Detailbelege stammen aus den oben verlinkten Quellen.