Multimodal: Medikamente und Therapie ergänzen sich
Die Leitlinien zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sehen eine multimodale Therapie vor. Das heißt: eine medikamentöse und eine psychotherapeutische Behandlung sollen sich ergänzen, nicht ausschließen. Am Anfang steht in der Regel eine ausführliche Aufklärung über das Störungsbild, die sogenannte Psychoedukation.
Medikamente: zwei Wirkstoffgruppen
In der medikamentösen Therapie werden zwei Gruppen unterschieden: Stimulanzien (zum Beispiel Methylphenidat, Amphetamin, Lisdexamfetamin) und Nicht-Stimulanzien (zum Beispiel Atomoxetin, Guanfacin). Bei Erwachsenen gelten Stimulanzien als die am besten untersuchten Medikamente, unter den Nicht-Stimulanzien ist vor allem Atomoxetin gut belegt.
Studien deuten darauf hin, dass Methylphenidat auch bei Erwachsenen die Aufmerksamkeit verbessern und Hyperaktivität sowie Impulsivität mildern kann. Allerdings ist die Datenlage für Erwachsene weniger umfangreich als für Kinder und Jugendliche. Welches Mittel infrage kommt, ob überhaupt und in welcher Form, entscheidest du gemeinsam mit deiner behandelnden Praxis. Konkrete Dosierungen nennen wir hier bewusst nicht.
Psychotherapie: vor allem Verhaltenstherapie
Als wirksame Psychotherapieform hat sich bei Erwachsenen mit ADHS vor allem die Verhaltenstherapie erwiesen. Sie hilft, ADHS-bedingte Alltagsprobleme zu bewältigen, und ist besonders dann sinnvoll, wenn psychische oder emotionale Belastungen im Vordergrund stehen, gegen die Medikamente allein wenig ausrichten.
Was die Kombination bringt
Die Studienlage deutet darauf hin, dass Medikamente auf die ADHS-Kernsymptome am stärksten wirken. Eine Kombination aus Medikament und strukturierter Verhaltenstherapie kann darüber hinaus bei der Alltagsfunktionalität und der allgemeinen Wirksamkeit zusätzliche Vorteile bringen. In Wirksamkeitsvergleichen zeigen Stimulanzien die größten Effekte, Nicht-Stimulanzien liegen darunter, und die kognitive Verhaltenstherapie erreicht einen mittleren Effekt.
Kurz: Es gibt nicht die eine richtige Behandlung. Was zu dir passt, hängt von deinen Symptomen, deinem Alltag und deinen Vorlieben ab, und das klärt sich im Gespräch mit Fachleuten.
Weiterlesen
Der Weg zur Diagnose (myway) →ADHS-Lexikon →Diagnose als Erwachsener →
Quellen
Alle Aussagen oben stützen sich auf diese öffentlich zugänglichen Fachquellen, zuletzt geprüft im Juni 2026:
- adhs.info, Therapie und andere Hilfen
- therapie.de, ADHS bei Erwachsenen, Therapie
- gesundheitsinformation.de, Behandlung von ADHS bei Erwachsenen
- Neurologen und Psychiater im Netz, Psychotherapie bei ADHS
- ADxS.org, Effektstärken verschiedener Behandlungsformen
Hinweis: Der fachliche Rahmen orientiert sich an der deutschen S3-Leitlinie ADHS (AWMF 028-045) sowie der NICE-Leitlinie NG87. Einzelne Detailbelege stammen aus den oben verlinkten Quellen.